Deutschlands Weg zum Satellitenempfang

Deutschland und der Satellitenempfang – eine lange Geschichte, die insbesondere von staatlicher Seite eigentlich gar nicht so gewünscht war, wie sie ausgegangen ist. Heute ist Sat-TV ein selbstverständlicher Teil des Fernsehempfangs. Seit 2012 ist Sat hierzulande sogar der meistgenutzte Empfangsweg. Das das war nicht immer so, insbesondere von Seiten des Staates wurde das Kabelnetz deutlich bevorzugt – ein Schelm wer dabei böses denkt.

Die Anfänge

Mit der Aufschaltung von PKS (heute SAT.1) auf ECS 1 am 1.4.1984 (13°Ost, heute Eutelsat Hotbird) begann die Geschichte des Satellitenfernsehens in und insbesondere aus Deutschland. ECS diente hauptsächlich zur Übertragung und Zuführung zahlreicher europäischer Programme in die Kabelnetze. Ab dem 1.12.1984 sendeten 3sat, ab 1.8.1985 RTLplus und ab 1.11.1986 Teleclub ebenfalls über diesen Satelliten.

Ein weiterer damals für die Zuführung wichtiger Satellit war Intelsat VA-F12 (60°Ost). Ab dem 6.11.1985 strahlte das Bayerische Fernsehen sein Programm darüber aus, am 1.1.1986 folgten musicbox, das Westdeutsche Fernsehen und 3sat. Später kamen das Kulturprogramm 1 Plus (29.3.1986) und der ProSieben-Vorläufer Eureka TV (1.5.1987) dazu.

Die verwendeten Frequenzen auf 60°Ost waren folgende:

  • 10970 MHz horizontal: 3sat
  • 11010 MHz horizontal: Westdeutsches Fernsehen (ab 1988 West 3)
  • 11138 MHz horizontal: musicbox (ab 1.1.1988: Tele 5)
  • 11173 MHz horizontal: Bayerisches Fernsehen
  • 11549 MHz horizontal: 1 Plus
  • 11600 MHz horizontal: Eureka TV

Aufgrund der damals nötigen größeren Durchmesser von Parabolantennen konnte sich Direktempfang via ECS bzw. Intelsat VA-F12 kaum durchsetzen, insofern war der Start von Astra 1A Ende 1988 revolutionär, da der Satellit Empfang bereits ab ca. 60 cm Durchmesser ermöglichte. Eigentlich wäre das mit TV-SAT 1 auch möglich gewesen, sogar ab 45 cm Durchmesser – doch so sollte es nicht kommen.

Das TV-SAT-Desaster

Der von der Deutschen Bundespost betriebene Satellit TV-SAT 1 startete am 21.11.1987 ins All, da jedoch eines der Solarpanele nicht ausgeklappt werden konnte und somit die Empfangsantenne auch nicht, war TV-SAT 1 unbrauchbar. Der Satellit wurde Ende 1989 abgeschaltet und in die sog. Friedhofsumlaufbahn gebracht. Sein Nachfolger TV-SAT 2 wurde am 8.8.1989 ins All geschickt und ging auf 19°West in Betrieb, eine Position die Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Italien belegte (Deutschland: TV-SAT 2, Frankreich: TDF-1 bzw. TDF-2, Italien: Olympus). Der Empfang war auch hier ab 45 cm Antennendurchmesser möglich.

Belegt wurden 5 Transponder: Einer wurde vom DSR-Radiopaket genutzt, die anderen vier von SAT.1, RTL plus, 3sat und 1 Plus, jedoch nicht in der herkömmlichen PAL-Norm, sondern in D2MAC, ein System, das sich insbesondere aufgrund der PAL-Ausstrahlung auf Astra 1A ab Ende 1989 hierzulande nie durchgesetzt hat. Lediglich in Skandinavien war D2MAC nennenswert erfolgreich und wurde auch auf deren Astra-Transpondern (u.a. TV3, TV1000, FilmNet) genutzt. Anders als sonst üblich wurde auch nicht in horizontaler und vertikaler Polarisation gesendet, sondern in zirkular links- und rechtsdrehend. Wegen des bahnbrechenden Erfolgs der Astra-Plattform sah sich die Deutsche Bundespost gezwungen, ihren Fernmeldesatelliten DFS Kopernikus 1 zum Fernsehsatelliten umzufunktionieren, TV-SAT 2 rückte immer weiter in den Hintergrund, bis man ihn 1994 an den Satellitenbetreiber Telenor verkaufte, welcher den Satelliten bis 1998 auf 1°West weiter betrieben hat. 5 Transponder waren bereits beim Start 1989 recht wenig für einen Satelliten.

Die von TV-SAT 2 verwendeten Frequenzen auf 19°West waren folgende:

  • 11747 MHz zirkular linksdrehend: RTL plus
  • 11823 MHz zirkular linksdrehend: SAT.1
  • 11900 MHz zirkular linksdrehend: 3sat
  • 11977 MHz zirkular linksdrehend: DSR-Paket
  • 12053 MHz zirkular linksdrehend: 1 Plus (bis Dez. 1993, danach Testbild)

Lage in der DDR

Die DDR selbst hat keine Fernsehsatelliten betrieben (auch wenn es heißt, dass das mal geplant war, dazu ist es aufgrund der historischen Ereignisse allerdings nicht mehr gekommen), selbstverständlich verfolgte man dort aber ebenfalls die Entstehung des Satellitenempfangs mit. Auch war der Satellitenempfang rein rechtlich gesehen durchaus erlaubt, wenn auch wie in der Bundesrepublik genehmigungspflichtig. Zeitzeugen berichten jedoch, dass das in der DDR sogar unkomplizierter war als in der damaligen BRD. Die notwendigen Empfangsgeräte waren i.d.R. privat importiert (z.B. über Ungarn oder die Tschechoslowakei) oder im Falle der Schüsseln auch selbst gebaut, aufgrund der Mangelsituation war eine Satellitenanlage an einer Gemeinschaftsantenne (=Kabelfernsehen) natürlich häufiger als Einzelanlagen. Der Ausbau der Netze wurde in den letzten Jahren der DDR sogar staatlich indirekt gefördert, indem Neubaugebiete schon in der Bauphase verkabelt wurden. Meist wurden RTL plus, SAT.1, 3sat, Teleclub und Tele 5 in die Netze eingespeist, ARD und ZDF sowie die Mehrzahl der Dritten Programme konnten noch nicht per Satellit empfangen werden, wurden aber natürlich mit eingespeist, sofern terrestrisch verfügbar.

Nach der Wende wurden diese Kabelnetze, sofern sie nicht in staatliche Hände gingen (Bundespost), häufig privatisiert und verkauft. Insgesamt war der Kabel- und Satellitenempfang in der DDR jedoch, noch mehr als in der Bundesrepublik zu dieser Zeit, eher die Ausnahme und häufig auf kleinere Ortschaften beschränkt.

Staatlich vs. Privat

Wie bereits oben erwähnt, befand sich die Deutsche Bundespost Ende der 80er/Anfang der 90er durch den Start von Astra 1A in Zugzwang und versuchte diesem privatwirtschaftlichen Satellitensystem etwas entgegenzusetzen. Im Wesentlichen geschah dies durch zweierlei wichtige Punkte:

  • Die Bundespost strahlte ab 1.8.1989 einige deutsche Fernsehprogramme über ihren Satelliten DFS Kopernikus 1 (23,5°Ost) aus, einerseits zu Kabelzuführungszwecken, andererseits als Direktempfangssatellit für jene, die kein Kabel wollten oder bekommen konnten und auch nicht ausschließlich auf die Terrestrik zurückgreifen wollten.
  • Genehmigungsurkundein den 80ern bis 1990 war der Satellitenempfang genehmigungspflichtig und mit Gebühren verbunden (siehe Bild rechts, Quelle: Infosat Ausgabe 100; zum Vergrößern darauf klicken), dadurch sollte der Sat-Direktempfang größtenteils verhindert und der Kabelempfang gepusht werden. Außerdem gab es auch nur für wenige Satelliten eine Erlaubnis, sie überhaupt zu empfangen, Astra zählte nicht zu den genehmigten Satelliten, im Gegensatz zu DFS Kopernikus. Auch nicht erlaubt war z.B. der Empfang von CNN International auf 27,5°West. 1989 betrugen diese Gebühren einmalig 50 DM für die Genehmigung und weiterhin monatlich 5 DM und mussten bei der Bundespost entrichtet werden (Hamburger Abendblatt, Seite 10 vom 6.2.1989). Die Gebühren- und Genehmigungspflichtigkeit wurde aufgrund eines Urteils des EuGH für Menschenrechte in Straßburg vom 22.5.1990 aufgehoben, da sie gegen Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstieß (ebenso wie gegen Artikel 5 des Grundgesetzes). Tatsächlich aufgehoben wurde die Genehmigungspflicht erst im Februar 1991.

Das Programmangebot über Kopernikus bestand Anfang 1990 aus dem DSR-Paket und den 8 Fernsehprogrammen RTL plus, SAT.1, Tele 5, PRO 7, 3sat, 1 Plus, West 3 und Bayerisches Fernsehen. Im Vergleich dazu gab es über Astra 1A, was deutschsprachige Programme angeht, im Jahre 1990 Sportkanal, RTL plus, Eurosport, SAT.1, Teleclub, 3sat und PRO 7. Da Astra 1B jedoch bereits in den Startlöchern stand und 1991 ins All geschickt wurde, musste die Bundespost reagieren und erweiterte das Programmangebot. Während mit Astra 1B Premiere, 1 Plus, Tele 5, N3 und n-tv das deutschsprachige Angebot erweiterte, kamen auf DFS Kopernikus 1 arte, n-tv und Premiere hinzu.

Spätestens mit Astra 1C musste sich das staatliche Kopernikus-System jedoch geschlagen geben, da nun auch die öffentlich-rechtlichen Sender immer stärker auf Astra setzten, und ab der IFA 1993 sogar erstmals ihre Hauptprogramme über Satellit, sprich Das Erste und ZDF, verbreiteten. Ab diesem Zeitpunkt sank die Bedeutung der Position 23,5°Ost, die mittlerweile nicht mehr von DFS-Kopernikus 1 sondern 3 bedient wurde, für den Direktempfang rapide, ehe sie 1997 mit Abschaltung der letzten analogen Transponder in Deutschland nicht mehr von Bedeutung war, außer für die Kabelzuführung. Seitdem beherrscht Astra den Satellitenempfang in Deutschland, mehr als zuvor schon. Bereits 1990 entschieden sich laut Wikipedia ca. 80% der Sat-Zuschauer für Astra, ca. 20% für Kopernikus und, verschwindend gering, geschätze 1% für TV-SAT 2.

Wesentliche Gründe für das Scheitern von DFS Kopernikus waren einerseits der im Vergleich zu Astra größere notwendige Durchmesser der Antenne (mind. ca. 85 cm für das Lowband da dort Halbtransponder verwendet wurden; für das Highband reichten aufgrund der Volltransponder auch 65 cm laut P. Lepper in Infosat Ausgabe 297, Seite 20), andererseits die Verteilung der Programme im Frequenzband. Da Universal-LNBs erst ab ungefähr 1996/1997 zum Standard wurden, waren für Kopernikus teurere LNBs als für Astra notwendig. Während Astra für analoges Fernsehen lediglich das Low-Band einsetzte, waren die Programme auf Kopernikus im Low- und Highband verteilt.

Transponderbelegung 23,5°Ost

GHz/Pol. 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
11,475/hor. SAT.1 (bis Frühjahr 1997)
11,525/hor. 3sat
11,550/ver. Eurosport arte
11,600/ver. VOX
11,625/hor. 1 Plus (bis 30.11.93) Nickelodeon
11,675/ver. RTL plus (bis 31.10.92) bzw. RTL (ab 31.10.92) Der Wetterkanal
12,524/ver. n-tv
12,559/hor. PRO 7 (bis 24.10.94) bzw. ProSieben (ab 24.10.94)
12,591/ver. Premiere (bis 30.9.96)
12,625/hor. DSR-Paket (bis 16.1.99)
12,658/ver. West 3
12,692/hor. Tele 5 (bis 31.12.92) bzw. DSF (ab 1.1.93)
12,725/ver. Bayerisches Fernsehen

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